Ist jetzt die Zeit für gläserne Aufzüge?

Der OB möchte an der Westfassade des Rathauses gerne einen gläsernen Aufzug haben. Oder genauer, weil es sich besser anhört: “die barrierefreie Erschlie-ßung des Rathauses durch Anbau eines Glasaufzuges mit Einbau einer barrierefreien Toilette im Oberge-schoss des Rathauses”. Ohne die bisherigen Planungs-kosten werden brutto ca. 432.000 Euro veranschlagt. Die Kabine soll übrigens aus Metall sein, man könnte nicht rausschauen. Für den Fahrstuhl spricht der dann barrierefreie Zugang zum Rathaus.

Das wäre jedoch auch billiger zu haben. Gegen den Fahrstuhl spricht: Er steht in einem Hochwassergebiet. Wartung und Reinigung sind teuer. Im Winter sollte geheizt, im Sommer gekühlt werden. Er ist anfällig für Vandalismus, und die Fassade verliert ihr historisches Bild. Zu erwar-ten ist auch, dass dann andere Bauherren in der Innenstadt auf die Idee kommen ebenfalls Fahrstühle an ihren Fassaden anzubringen. Zudem planen wir gerade eine provisorische öffentliche Toilette in der Innenstadt für ca. 75.000 Euro, der mittelfristig eine dauerhafte Toilette im Bereich Marktplatz/Neuer Markt folgen soll. Die wird dann sicher nicht unter 200.000 Euro zu haben sein.

Daher könnte man auf die geplante Toilette im Rathausobergeschoss gerne verzichten. Ich persönlich bin grundsätzlich gegen so einen Fahrstuhl in einer Zeit, in der wir meiner Meinung nach ganz andere Sorgen haben. Wir schafften es nicht einmal einen ausgeglichenen Haushalt hinzube-kommen. In unserer Stadt fehlt es hinten und vorne an günstigen Wohnungen. Die Flüchtlingsunterbringung und Betreuung (Wohnen, Kitas, Schulen u.a.) stellt uns vor enorme finanzielle Herausforde-rungen. Der Hochwasserschutz, wird uns bald einige Millionen abver-langen Vom Landkreis sind weitere finanzielle Forderungen zu erwar-ten, und wir wissen, dass unsere Rücklagen mittelfristig aufgebraucht sind und Schulden gemacht werden müssen. Das alles und noch viel mehr ist uns in der heutigen Zeit . wichtiger als gläserne Fahrstühle.

Zum Schluss noch etwas in eigener Sache: Sie sind an der lokalen Politik interessiert und möchten an der politischen Meinungsbildung mitwirken? Nehmen Sie mit uns Kontakt auf. Wir freuen uns auf Sie.

Jürgen Maisch